Vögel im Kopf

Vögel im Kopf wird ein Buch mit Geschichten aus dem Leben von aktuellen und ehemaligen Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Tübingen und anderswo, von Eltern, Geschwistern, Lehrern und Mitarbeitern. Vom Leben und Miterleben bei psychischen Erkrankungen. Von vielen Tiefen und einigen Höhen, von.....   

.....aber lesen Sie selbst.

In unregelmäßiger Reihe werden hier Textausschnitte des Buches veröffentlicht.

Vögel im Kopf wird am 7. Oktober 2020 im Hirzel Verlag erscheinen.

 

Aktuelles

07
Okt
Buchpräsentation

Große Präsentation des Schirm-Buches "Vögel im Kopf - Geschichten aus dem Leben psychisch erkrankter Jugendlicher". Die Veranstaltung findet im Sparkassen-Carré in Tübingen statt und wird von Bernadette Schoog moderiert. Außerdem hat Dietlinde Ellsässer ihre Teilnahme zugesagt.

Nähere Informationen folgen.

Weiterlesen …

Der Blick zurück...

Ehemalige Patienten erinnern sich

Aber in diesem Gespräch sind sie vor allem auch eins: Mehr oder weniger versteckt wütend auf die Tochter.
Sie verstehen nicht. Sie reden und versuchen, Antworten zu geben, bei denen das Mädchen nur noch verschlossener wird, weil es sich wohl denkt, dass ihre Eltern doch mal echt gar nichts kapieren.
Die Luft im Raum ist eisig und zum Schneiden.
Ein Therapeut versucht zwischen diesen beiden Welten zu vermitteln - und scheitert.
Scheitert daran, dass das Mädchen glaubt, von vornherein die Böse zu sein und nur verlieren zu können, egal, was sie sagt. Also am besten nichts sagen. Schweigen. Wenigstens die Magersucht, die Kontrolle über sich und den eigenen Körper, nicht verlieren, wenn man sie schon über diese Situation nicht haben kann.
Scheitert daran, dass die Eltern unbewusst und ungewollt erst mal der Tochter die Schuld zuschieben: "Wir haben doch alles für Dich getan! Was willst Du denn noch?"

Ulrike

Ich bin ein Versager.
Ja, in den Augen der meisten Menschen bin ich schlicht und einfach ein Versager.
Die längste Zeit meines Lebens war das auch eine Art inneres Mantra. An den düsteren Tagen, in denen ich mir einen Notausgang herbeigesehnt habe.
Es gab einige dieser Tage. Es gab viele Wochen, sogar Monate, solcher Tage.
„Du bist nichts wert, alles misslingt dir, keiner hält deine Gesellschaft lange aus, geschweige denn genießt sie, niemand interessiert sich für dich, nichts was du tust ist gut, ständig machst du etwas falsch, … Du bist einfach ein Versager und dein Leben ein einziges großes Scheitern und eine Last für die, die sich um dich kümmern müssen“. So oder so ähnlich klang die Dauerschleife in meinem Kopf. Alles andere wurde dadurch, wie Schall unter Wasser, verschluckt. Diverse Dinge sind so beiläufig tatsächlich gescheitert.

Anna L.

 

 

Aber hauptsächlich waren es die Menschen, Betreuer und Mitpatienten, die mir jeden Tag aufs Neue so sehr geholfen haben. Trotz Streit, Tränen und Diskussionen über nicht leergegessene Frischkäsedöschen oder die erlaubte Menge Löcher in einer Käsescheibe waren sie es, die mich auffingen, wenn es mir schlecht ging, die mit mir lachten, wenn es mir gut ging und die mich ärgerten, egal wie es mir ging. Deshalb will ich meine 51 Wochen in Tübingen nicht aus meinem Gedächtnis löschen, im Gegenteil!

Greta R.

 

Mütter berichten...

...von Schmerzen und Hoffnungen

Es ist keine Wut, die ich empfinde sondern der Schmerz, Dich heute so verzweifelt und traurig zu sehen, sitzt so tief und zerreißt mir das Herz.
Ich würde alles dafür tun, dass diese Hoffnungslosigkeit und diese Traurigkeit in Dir verschwinden!
Nichts würde ich mir mehr wünschen, dass wir einmal ganz offen über uns und unsere Gefühle reden könnten, dass ich verstehen könnte, warum es Dir immer wieder so schlecht geht.
Ich liebe Dich so sehr und fühle mich so hilflos. Weiß nicht mehr, wie ich Dir vertrauen soll, wenn Du Dich mir nicht anvertraust. Wie ich mit Dir umgehen soll, wenn Du mir aggressiv gegenüber trittst, mir Angst machst, Deine Wut und Verzweiflung an mir auslässt.

Daniela

Diese Stunde morgens ist so dermaßen anstrengend! Wenn wir endlich im Auto sitzen, heule ich oft. Tom zieht sich im Auto auf der Fahrt die Socken an, bürstet sich. Wenn er sich verabschiedet, streichelt er mich und beteuert: „Ich lieb dich doch so arg! Ich will gar nicht trödeln.“
Und nebenher gibt es da noch seinen Bruder Franz…!
Franz will ins Internat. Sagt, es sei ihm ernst. Wegen dem dauernden Streiten. Er wolle das nicht, hätte Angst vor dem Heimweh, aber das wäre besser für ihn!!!!!!!!!!!!!!!

Eva